Yonimassage lernen

Das Thema genitale Berührung in der Sexualität ist für Frauen nicht immer einfach. Eine körper- und sexualfeindliche Erziehung, zu wenig Aufklärung und sexualisierte Gewalt gegen Frauen haben da ihre Spuren hinterlassen. Wir alle sind voll von Bildern, Vorstellungen, Erwartungen und Prägungen zum Thema Sexualität. Wenn ich mit Frauen rede, höre ich, dass sie sich eine feinere, achtsamere und liebevollere Berührungsqualität wünschen, gerade wenn es um die Berührung ihrer Yoni geht. Ganzheitliche Berührungen, die sich nicht zielgerichtet sofort auf die Brüste, die Klitoris und die Vagina richten. Absichtslose Berührungen, die nicht den Orgasmus als Ziel haben. Frauen möchten nicht als Sexobjekt gesehen werden, sonders als Mensch da sein können und angenommen werden, so wie sie gerade sind.

Die Yonimassage ist die Massage des weiblichen Intimbereichs, also der Vulva und der Vagina. Eingebettet in eine sinnliche Tantramassage kann sie für Frauen neue Welten eröffnen: Erfahrungen von Gehalten werden, Angenommen sein, Verbunden sein, Kraftquellen erschließen, Empfindungen vertiefen, Verletzungen heilen, Lust entdecken, emotionaler Tiefe oder unendlicher Zärtlichkeit und Langsamkeit. Die Yonimassage kann eine Unterstützung auf dem Weg zu einer befreiten, lustvollen und erfüllten Sexualität sein.

Die weibliche Sexualität ist ein unendlicher Raum, der umso größer, intensiver und lustvoller wird, je mehr wir uns auf sie in einem geschützten Rahmen einlassen.

Michaela Riedl

Die Yonimassage bietet diesen geschützten Rahmen, der gehalten wird von einer inneren Haltung der Achtsamkeit, Annahme, Respekt, Absichtslosigkeit, Empathie und Wertschätzung.

Die Verehrung der Yoni

Bei einer Yonimassage steht die Verehrung der Yoni im Vordergrund. Es geht um ihre Einzigartigkeit und Schönheit. Jede Yoni ist so individuell. Die Venuslippen haben ihre ureigene Form, die Klitoris und der Schaft ihre eigene Größe, der Abstand von der Klitoris zum Yonieingang ist unterschiedlich, jede Yoni hat im Innenraum ihre eigene Länge und ihren eigenen Durchmesser, die G-Fläche liegt weiter vorne oder weiter hinten. In der Yonimassage begegne ich jeder Yoni mit großer Wertschätzung. Die Yoni offenbart unseren innersten Kern. Sie ist ein heiliger Tempel, das ureigene Zentrum einer jeden Frau, die Wohnstätte der Göttin. Im Tantra geht der Begriff Yoni weit über das Sexuelle hinaus. Er steht für Ursprung, Quelle, Ruheplatz, Behältnis, Aufenthaltsort. Im Sanskrit ist die Yoni das Symbol für weibliche schöpferische Kraft. Jede Frau ist zutiefst mit ihrer Yoni verbunden.

Die Yoni jeder Frau ist immer einzigartig und wunderschön. Sie möchte gesehen, geachtet und geehrt werden. Das Erkennen dieser ganz besonderen Schönheit unserer Weiblichkeit macht uns selbstbewusst und würdevoll. Wenn wir uns in dieser Weise annehmen, können wir unser Frausein ganz leben.

Inari H. Hanel

Ich grüße die Göttin in dir.

Ich achte und verehre dich als Frau.

Ich verneige mich vor deiner  weiblichen Kraft.

Ich verehre deine Yoni,
deinen heiligen Tempel.

Ich bin bereit, dir zu dienen.

Zur Verehrung und Wertschätzung der Yoni gehört auch, dass ich vor der Massage um Berührungserlaubnis frage. Bevor ich nach innen gehe frage ich die Frau jedes Mal um die Erlaubnis einzutreten. Dann lege ich meinen Finger an den Yonieingang und warte ab. Ich lade die Frau ein mich hineinzusaugen oder hinein zu schaukeln. Ich dringe nicht mit Kraft in die Yoni ein. Ich bin der Gast und ich unterwerfe mich ihren Regeln. Ich bin bereit, ihr zu dienen.

Es beginnt mit dem Wissen zur Anatomie

Hast du dir schon einmal die Zeit genommen, dich vor eine Yoni zu setzen und sie in aller Ruhe zu betrachten? Weißt du, wo sich der Harnröhrenausgang befindet, der Klitorisschaft, die Klitoris und der Damm? Wie gut kennst du dich im Inneren aus? Findest du auf Anhieb den G-Punkt, den A-Punkt oder den Gebärmutterhals?

Also ich kann mich noch gut erinnern, dass ich bei meinem ersten Tantraseminar den Seminarleiter gefragt habe, ob er mir mal zeigen kann, wo sich bei mir eigentlich dieser G-Punkt befindet. Und da war ich 43 Jahre alt!

Damit ich eine Yoni gekonnt massieren kann, ist es wichtig, mich auch mit ihrer Anatomie auszukennen. Jede Yoni hat anatomisch die gleichen Bestandteile, jedoch sehen verschiedene Yonis sehr unterschiedlich aus. Es ist jedes Mal eine Entdeckungsreise.

Die Yonimassagegriffe wollen gelernt sein

Yonimassage ist weit mehr als die Stimulation der Klitoris und des G-Punktes. Es geht darum, die Yoni in ihrer Gesamtheit zu würdigen und zu berühren. Das kann damit beginnen, dass ich zunächst meine Hände auf die Gebärmutter und die Eierstöcke lege. Ich lasse sie dort ruhen, halte inne und spüre. Dann lege ich eine Hand auf die Yoni und eine Hand aufs Herz. Es geht um die Verbindung von Herz und Yoni. Allein diese kleine Geste löst oftmals schon große Emotionen aus. Viele Frauen sind es nicht gewohnt und zu Tränen gerührt, weil sie diesen langsamen und liebevollen Umgang mit ihrer Yoni nicht gewohnt sind. Dann beginne ich mit der eigentliche Vulvamassage. Dabei werden die äußeren und die inneren Venuslippen massiert, die Klitoris und ihr Schaft, der Yonieingang und der Damm. Ich nehme mir viel Zeit und lasse die Frau hinein spüren, frage sie, wie sich die Berührung für sie anfühlt und ob sie sich etwas anders wünscht. Durch die langsamen, gleichbleibenden fließenden Bewegungen wird die Frau eingeladen sich zu entspannen, loszulassen und sich hinzugeben.

Herz-Yoni-Verbindung

Vulvamassage

Yonimapping

G-Punkt-Massage

Vaginamassage

Haltegriffe

Wenn ich die Erlaubnis habe nach innen zu gehen kann sich ein Yonimapping anschließen. Ich ertaste die Yoni Millimeter für Millimeter, sage der Frau, wo ich gerade bin und was ich unter meinen Fingern spüre. Die Frau gibt mir Rückmeldung, wie sich die einzelnen Bereiche oder Punkte für sie anfühlen. Dabei ist es nicht selten, dass die Frauen verborgene Lustpunkte oder auch unbekannte schmerzhafte Stellen entdecken, die sie manchmal auch weiter erforschen möchten. Oftmals gibt es in der Vagina alte Verletzungen, aufgestaute Gefühle oder Blockaden, die durch die Massage gelöst werden können.

Dann kann es mit einer G-Punkt-Massage weitergehen oder mit der Massage des A-Punktes. Ich bin in einem engen Kontakt mit der Frau, frage nach und gehe ganz auf die Wünsche der Frau ein. Viele Frauen empfinden auch die Kombination von G-Punkt-Massage und Stimulation der Klitoris intensiv und erregend.

Bevor ich die Massage abschließe, lasse ich meinen Finger einfach nur in der Yoni liegen und lade die Frau ein hineinzuspüren. Hier kann auch das Halten des A-Punktes besonders tiefe Erfahrungen ermöglichen.

Zum Schluss kündige ich der Frau an, dass sie sich langsam darauf einstellen kann, dass ich ihre Yoni wieder verlasse. Niemals ziehe ich meinen Finger einfach aus der Yoni heraus. Hier ist ebenfalls Achtsamkeit und Langsamkeit gefragt. Ich kann die Frau auch einladen, mich hinauszuschaukeln.

Ich lege noch einmal meine Hand auf die Yoni und gegebenfalls auch eine Hand auf das Herz. Dann lade ich die Frau ein nachzuspüren.

Dies könnte ein möglicher Ablauf sein. So wie jeder Mensch und jede Yoni einzigartig ist, so ist auch der Ablauf einer Yonimassage ganz individuell.

Berührungen getragen von Absichtslosigkeit

Im Kontakt mit Frauen begegnen mir oft Themen wie Lustlosigkeit, Schwierigkeiten zum Orgasmus zu kommen, wenig Empfindungsfähigkeit in der Yoni und Hemmungen, sich hinzugeben und fallen zu lassen. Viele Frauen fühlen sich in der Sexualität mit anderen nicht frei. Da spielen Selbstwerthemen mit rein, Perfektionismus, Leistungsdruck, Verlustängste, Bindungsthemen … Die Vorstellung berührt zu werden, ohne etwas zurückgeben zu müssen wirkt befreiend. Berührt zu werden, ohne irgendwohin zu müssen, ohne besonders sexy auszusehen oder es jemandem recht machen zu müssen. Ich habe schon oft Sätze gehört wie: So absichtslos und achtsam bin ich noch nie berührt worden.

In der Yonimassage darf die Frau mit allem da sein, was da ist und es darf sich alles zeigen, was sich zeigen will. Das kann von tiefgehender Entspannung über Wellen der Lust und Ekstase bis hin zu starken Emotionen und Schmerzpunkten reichen. Ich halte den Raum und begegne allem, was sich zeigt mit Empathie, Annahme und Wertschätzung.

Manchmal lade die Frau ein so zu tun, als wäre ihre Yoni eine eigene Person, sie in diese hineinschlüpft und für sie spricht. Das nennen wir Yonitalk. Da frage ich sie dann wie es ihr geht, was sie sich wünscht und was ihr wichtig ist. Das folgende Gedicht gibt einen Yonitalk wieder:

Tief verbunden Ich bin stark und gleichzeitig so zart und verletzlich. Es gibt viele wie mich und doch bin ich einzigartig. Ich bin ein Teil von dir und gleichzeitig eine eigene Persönlichkeit. Ich möchte gehalten werden und mich geborgen und sicher fühlen. Ich möchte eine Stimme haben und von dir gehört werden. Ich möchte mich zeigen und von dir gesehen werden. Ich möche nicht benutzt werden damit du etwas von anderen Menschen bekommst. Ich möchte nichts leisten müssen sondern einfach nur sein. Ich brauche deine Klarheit und deinen Schutz. Ich möchte gefragt werden dann kann ich mich öffnen. Ich möchte empfangen und mich hingeben, pulsieren und strömen. Ich möchte berührt werden achtsam, liebevoll und absichtslos. Ich möchte dir Lust bereiten und dich durch Täler und auf Gipfel begleiten. Ich möchte deine Liebe spüren und mit dir verbunden sein. Deine Yoni

Melanie Lentes

Yonimassage lernen aus männlicher Sicht

Durch die Tantramassage habe ich so viel gelernt, dass ich heute mit Achtsamkeit, Respekt und Demut in Kontakt gehe. Es lässt mich immer wieder berührt und dankbar innehalten, wenn ich erlebe was ich damit auslösen kann.

Ich habe viele berührende Rückmeldungen von Frauen nach dieser Qualität der Berührung bekommen. Ich habe dazu beitragen, dass sie die Erfahrung machen, dass sexuelle Energie im Kontakt mit einem Mann nicht mit Erwartungen verbunden sein muss und dass sie nicht zwangsläufig zu einer sexuellen Vereinigung führen muss.

Ich erlebe es jedes Mal aufs neue als Geschenk, diesen Raum halten zu dürfen, kann sehr gut selber mit meiner sexuellen Energie sein und diese als intensive Lebensenergie nutzen.

Jörn Lentes

Unser Beitrag zu einer friedlicheren Welt

Ich bin davon überzeugt, dass die Yonimassage ein Meilenstein auf dem Weg in eine sexpositive Gesellschaft und in eine friedlichere Welt sein kann. Eine Gesellschaft, in der die Lust und sexuelle Energien nicht verleugnet, sondern gefeiert werden als die stärkste uns inne wohnende Kraft. Und eine Welt, in der Menschen im Frieden miteinander leben. Dafür braucht es Frauen, die den Mut haben, sich auf eine heilsame und nährende Weise mit ihrer Sexualität zu beschäftigen. Und es braucht Männer, die sich mit ihrer Männlichkeit und ihrer Sexualität auseinandersetzen und bereit sind ihre Frauen auf diesem Weg mit Liebe, Achtsamkeit und Einfühlsamkeit zu begleiten.

Wenn du Lust bekommen hast, in die Welt der Yonimassage und natürlich auch in die Welt der Lingammassage einzutauchen, freuen wir uns, wenn du bei unserer Einführung in die Tantramassage dabei bist.

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