Sexuelle Unlust ist eines der Themen, über die Paare am wenigsten sprechen – und unter denen sie doch oft am meisten leiden. Vielleicht erinnerst du dich an eine Zeit, in der Verlangen selbstverständlich war. In der Nähe leicht entstand. In der Berührungen neugierig machten und ihr euch kaum voneinander lösen konntet. Und irgendwann verändert sich etwas. Die Lust kommt seltener. Einer von beiden zieht sich zurück. Der andere fühlt sich abgewiesen. Ratlosigkeit macht sich breit.
Noch immer hält sich das Klischee, Männer wollten immer Sex und Frauen hätten „ständig Kopfschmerzen“. Doch in meiner Praxis zeigt sich ein anderes Bild. Ich begegne Frauen, die sich nach mehr körperlicher Nähe sehnen, während ihre Männer sich innerlich zurückgezogen haben. Ich erlebe Männer, die sich zutiefst verunsichert fühlen, weil ihre Partnerin kein Verlangen mehr zeigt. Sexuelle Unlust betrifft keine bestimmte Geschlechtsgruppe – sie betrifft Menschen. Und sie betrifft Beziehungen.
Dabei geht es nicht in erster Linie darum, wie oft ein Paar Sex hat. Entscheidend ist, ob beide sich mit ihrer gelebten Sexualität stimmig fühlen. Ob Nähe freiwillig entsteht oder unter Druck. Ob Sexualität nährt oder belastet. Eine Phase mit weniger Lust ist nichts Ungewöhnliches. Schwierig wird es, wenn Schweigen, Druck oder Resignation dazukommen. Genau dort beginnt der Raum für Veränderung.
Was ist sexuelles Behehren?
Im Sexocorporel wird sexuelles Begehren nicht als spontaner Zufall oder als feste Persönlichkeitseigenschaft verstanden. Es ist kein Schalter, der einfach „an“ oder „aus“ ist. Sexuelles Begehren ist vielmehr das Ergebnis eines inneren Regulationsprozesses, in dem körperliche, emotionale und kognitive Faktoren zusammenwirken.
Vereinfacht lässt sich sagen: Je stärker die fördernden Einflüsse und je schwächer die hemmenden, desto wahrscheinlicher entsteht Lust. Wenn jedoch hemmende Faktoren überwiegen, wird das Begehren schwächer oder bleibt ganz aus.
Sexocorporel unterscheidet dabei zwischen emotionalem und sexuellem Begehren.
Emotionales Begehren beschreibt den Wunsch nach Nähe, Verbundenheit, Zärtlichkeit und Bestätigung. Es ist das Bedürfnis, sich geliebt, gehalten und gesehen zu fühlen.
Sexuelles Begehren hingegen bezieht sich auf die körperliche Lustdimension – das Verlangen nach genitaler Erregung, nach sexueller Spannung, nach Verschmelzung auf erotischer Ebene. Beide Formen können miteinander verbunden sein, müssen es aber nicht. Ein Mensch kann sich emotional sehr verbunden fühlen und dennoch kein sexuelles Verlangen verspüren. Ebenso kann sexuelles Begehren ohne tiefe emotionale Nähe entstehen.
Darüber hinaus werden verschiedene Ausprägungen von Begehren unterschieden:
Schwaches sexuelles Begehren bedeutet, dass Lust grundsätzlich vorhanden ist, jedoch selten oder nur unter bestimmten Bedingungen entsteht.
Fehlendes sexuelles Begehren beschreibt einen Zustand, in dem trotz grundsätzlich günstiger Rahmenbedingungen keine sexuelle Motivation spürbar ist.
Antibegehren geht noch einen Schritt weiter: Hier ist nicht nur kein Verlangen vorhanden, sondern es entsteht eine aktive innere Abwehr gegenüber Sexualität. Berührungen werden als unangenehm erlebt, Annäherungen lösen Widerstand oder sogar Ekel aus. Antibegehren ist häufig ein Hinweis auf starke hemmende Faktoren oder belastende Erfahrungen.
Diese Differenzierung ist wichtig, weil sie zeigt, dass „keine Lust“ nicht gleich „keine Lust“ ist. Die Qualität des inneren Erlebens entscheidet darüber, welche Form von Unterstützung sinnvoll ist.
Vielfältige Ursachen sexueller Unlust
Sexuelle Unlust ist kein isoliertes Problem und kein persönliches Versagen. Sie ist Ausdruck eines komplexen Zusammenspiels von Lernerfahrungen, Körperprozessen und Beziehungserfahrungen. Unsere Sexualität ist nicht einfach naturgegeben. Sie entwickelt sich von Kindheit an durch Erfahrungen, Prägungen und körperliche Lernprozesse.
Jeder Mensch trägt eine sexuelle Lerngeschichte in sich. Diese beginnt lange vor den ersten sexuellen Kontakten. Botschaften aus dem Elternhaus möglicherweise in Form einer sexualfeindlichen Erziehung, Erfahrungen mit Aufklärung, gesellschaftliche Normen, religiöse Vorstellungen, Schamerfahrungen, aber auch neugierige und lustvolle Entdeckungen prägen unser inneres Bild von Sexualität. Wenn Sexualität früh mit Angst, Schuld oder Leistungsdruck verbunden war, speichert der Körper diese Erfahrungen. Später kann sich das in Form von Hemmungen oder Lustlosigkeit zeigen. In diesem Sinne ist sexuelle Unlust häufig kein Defizit, sondern eine nachvollziehbare Schutzreaktion.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die körperliche Erregungsfähigkeit. Sexualität ist ein erlernbarer neurophysiologischer Prozess. Kinder und Jugendliche lernen in der Selbstbefriedigung ihren Körper und den damit verbundenen sexuellen Lustgewinn kennen. Sie entwickeln einen bestimmten Erregungsmodus, also eine typische Art und Weise, sich selbst sexuell zu stimulieren. Dieser Modus wird oft über Jahre beibehalten und wenig verändert, sodass sexuelle Lernschritte fehlen. Wenn Erregung schwer entsteht, schnell abbricht oder wenig intensiv erlebt wird, fehlt ein wesentlicher Motivationsfaktor für Sexualität. Lust wächst dort, wo Genuss erfahren wird. Wenn Sexualität wenig befriedigend oder sogar als schmerzhaft erlebt wird, entsteht verständlicherweise wenig Verlangen. Nach Angaben des Berufsverbandes der Frauenärzte hat fast jede dritte Frau in Deutschland (zeitweise) keine Lust auf Sex. Etwa elf Prozent berichten über sexuelle Erregungsstörungen. Zehn Prozent haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und jede vierte Frau hat Orgasmusprobleme, also Schwierigkeiten überhaupt zum Orgasmus zu gelangen.
Auch bei Männern können Herausforderungen in der Sexualität zu mangelndem Begehren führen: Probleme mit der Erektion, vorzeitiger Samenerguss und damit verbunden Ängste im Bett zu versagen und es “der Frau nicht richtig besorgen zu können”. Das kann dazu führen, dass Männer sich aus der Sexualität zurück ziehen. Eine mangende Bereitschaft, sich mit sich selbst auseinander zu setzen führt dann zum Nein im Außen.
Im Sexocorporel wird auch die Integration des eigenen Genitals als bedeutend betrachtet. Viele Menschen – insbesondere Frauen – haben keine selbstverständliche, positive Beziehung zu ihrem Genital. Es wird funktional akzeptiert, aber nicht als lustvolle Körperzone bewusst erlebt. Wenn das Genital wenig wahrgenommen, wenig berührt oder innerlich sogar abgelehnt wird, kann es sich nur eingeschränkt als Quelle von Lust entfalten. Die Sensibilisierung des genitalen Empfindens und der Ausbau neuronaler Verbindungen zwischen Genital und Gehirn sind Prozesse, die aktiv gefördert werden können. Lust ist nicht nur Gefühl, sie ist auch körperliches Lernen.
Auch die Beziehungsdynamik spielt eine entscheidende Rolle. Sexualität reagiert empfindlich auf unausgesprochene Konflikte, verdeckte Erwartungen, wiederkehrende Kränkungen und Machtkämpfe. Unterschiedliches sexuelles Begehren ist in Beziehungen eher die Regel als die Ausnahme. Problematisch wird es nicht durch den Unterschied an sich, sondern durch die Dynamik, die daraus entsteht. Manche Menschen beteiligen sich an sexuellen Aktivitäten, obwohl sie eigentlich keine Lust verspüren. Wenn dies freiwillig geschieht, ohne inneren Widerstand, ohne Groll und ohne das Gefühl, sich selbst zu verraten, kann es durchaus stimmig sein – ein liebevolles Entgegenkommen, das aus Großzügigkeit entsteht. Dann entsteht meist kein Leidensdruck. Schwieriger wird es, wenn jemand zwar „mitmacht“, aber spürbar lustlos bleibt. Wenn der Körper da ist, die innere Beteiligung jedoch fehlt. Wenn Berührungen mechanisch wirken und unterschwellig vermittelt wird: Eigentlich will ich das nicht. In solchen Konstellationen entsteht häufig eine verdeckte Feindseligkeit. Die lustlose Person fühlt sich innerlich übergangen, die andere spürt Ablehnung und Kränkung. Beide entfernen sich voneinander, obwohl sie sich körperlich nahe sind. Eine weitere Möglichkeit ist die klare Verweigerung von Sexualität. Damit bestimmt die Person mit dem geringeren Begehren – bewusst oder unbewusst – wie viel Sexualität in der Beziehung stattfindet. Sie gerät in eine Machtposition. Die Person mit stärkerem Verlangen fühlt sich zurückgewiesen, nicht begehrt oder dauerhaft hungrig nach Nähe. Die andere erlebt Druck, Erwartungen oder das Gefühl, funktionieren zu müssen. Es entsteht ein Kreislauf aus Drängen und Rückzug. Noch komplexer wird es, wenn Sexualität instrumentalisiert wird. Wenn sie nicht mehr Ausdruck von Begegnung ist, sondern Mittel zum Zweck. Wenn sie eingesetzt wird, um zu belohnen, zu bestrafen, zu kontrollieren oder andere Konflikte auszutragen. Dann geht es längst nicht mehr nur um Lust oder Unlust, sondern um Macht, Verletzung und ungelöste Paarthemen, die sich im sexuellen Raum zeigen.
Eine unterschiedliche Ausprägung sexuellen Begehrens führt also nicht zwangsläufig zu Konflikten. Doch sie kann zum Nährboden für Frustration, Kränkung und Machtkämpfe werden – besonders dann, wenn Paare nicht offen darüber sprechen oder wenn Sexualität zur Bühne für andere, unausgesprochene Themen wird.
Sexualität ist störanfällig, auch ohne schwerwiegende Gründe, die in der sexuellen Vergangenheit liegen. Zu den typischen Störfaktoren gehören: Zeitmangel, Kopfweh, Kinder, eine hohe Arbeitsbelastung, Stress, Alltagssorgen, der Spagat zwischen Familie und Beruf, Erschöpfung, Müdigkeit … Die täglichen Anforderungen des Lebens brennen uns gewissermaßen aus. Stress, Erschöpfung und dauerhafte Überlastung wirken sich massiv auf das Lustsystem aus. Ein Nervensystem, das im Daueranspannungsmodus arbeitet, priorisiert Funktionieren und Problemlösung. Für sexuelle Offenheit bleibt wenig Raum. In solchen Phasen überwiegen hemmende Faktoren deutlich die fördernden – das Ergebnis ist reduziertes oder ausbleibendes Begehren. Auch sich verändernde Lebensumstände (Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit …) können einen erheblichen Einfluss auf die sexuelle Lust haben. Ebenso hormonelle Einflüsse während des weiblichen Zyklus oder dann in den Wechseljahren.
Sexuelle Unlust bedeutet nicht, dass etwas „kaputt“ ist. Sie zeigt vielmehr, dass das innere Gleichgewicht zwischen fördernden und hemmenden Faktoren aktuell zugunsten der Hemmung verschoben ist. Und genau hier liegt die Chance: Dieses Gleichgewicht ist veränderbar. Sexualität ist entwicklungsfähig – ein Leben lang.
Sexualität am Anfang einer Beziehung
Am Anfang einer Beziehung klappt der Sex von ganz alleine: Heftiges Verlangen, starke Sehnsucht und aufregende Nächte: So erleben es die meisten frisch verliebten Paare. Sex, Erotik und Intimität prägen die erste Phase der Beziehung. Die Sexualität in der Verliebtheitsphase ist lust- und hormongesteuert.
Es gibt wenig (oder vielleicht gar nichts?) anderes, das die Liebenden gerade glücklicher machen könnte als ein Schäferstündchen mit dem oder der Liebsten. Die Körper ‘sprechen’ fast unentwegt miteinander – und zeigen mit jedem Kuss, jeder Umarmung, jedem Händchenhalten, jeder Streicheleinheit, wie wichtig einem der andere ist und als wie bereichernd und kostbar die neue Liebe erlebt wird.
Im Taumel der Verliebtheit geht es unter, dass hier zwei Individuen aufeinandertreffen, die einen Rucksack voll von Prägungen, Glaubenssätzen, Erfahrungen, Vorlieben, Erwartungen und Wünschen mit sich bringen. Diese Tatsache kommt erst mit dem Enden der Verliebtheit an die Oberfläche, wenn ein Paar beginnt vertrauter miteinander zu werden.
Guten Sex mit jemandem zu haben, den man kaum kennt und den man unendlich idealisieren kann, das ist keine große Kunst. Eine Kunst ist es, guten Sex mit jemandem zu haben, den man gut kennt und mit dem man vertraut ist.
Ulrich Clement
Sexualität in Langzeitbeziehungen
Wenn die Verliebtheit nachlässt, melden sich Bestandteile des individuellen Rucksacks zurück und das Paar lernt sich immer besser kennen und stellt erstaunt fest, wie verschieden sie doch sind. Manches passt, anderes passt nicht. An diesem Punkt beginnen Paare sich sexuell voneinander weg zu bewegen und die Lust auf Sexualität nimmt bei den allermeisten Paaren ab.
Zu Beginn unserer Beziehung stellen wir durch die Sexualität Nähe zu unserem neuen Partner/unserer neuen Partnerin her. Je länger die Beziehung andauert, je mehr emotionale Nähe, Verbindlichkeit, Zusammengehörigkeit wir bereits aufgebaut haben, desto weniger „brauchen“ wir den Sex als „Klebebindung“. Am Wochenende in Ruhe die Zeitung lesen, mal wieder einen spannenden Film anschauen oder ausgedehnt ein Abendessen zelebrieren – all das gewinnt nach und nach ebenfalls wieder an Sex-Appeal. Dass die allermeisten Paare im Laufe der Jahre weniger Sex miteinander haben, ist also eine vollkommen natürliche Entwicklung und zunächst einmal kein Grund zur Besorgnis.
Hinzu kommt dass im Laufe einer Beziehung die Bindung in den meisten Fällen stärker wird, es entsteht Vertrautheit. Doch darunter leidet oft die Leidenschaft, denn das Prickeln und die Spannung lassen nach. Diese reife Sexualität in einer beständigen Partnerschaft haben wir selbst in der Hand. Wir können unsere Sexualität dann nach unseren Idealen kreieren uns selbst Wege in eine erfüllende Sexualität ebnen.
Wenn die Abnahme des Verlangens bei beiden Partnern in etwa gleich stark ausgeprägt ist, erleben Paare das als kein Problem. Andere Dinge werden für sie wichtiger – und das fühlt sich für beide stimmig an.
Die Veränderung des Verlangens beginnt aber bei beiden Partnern in der Regel nicht zeitgleich. Deshalb kann derjenige, dessen Begehren weiterhin stärker ausgeprägt ist, über den neuen Trend erschrecken und ihn als bedrohlich wahrnehmen. Wenn mit diesem heiklen Thema dann nicht sensibel umgegangen wird, fühlt sich der Partner, der mit seiner Lust abgewiesen wird, häufig gekränkt, und der andere Part, dem aktuell nicht nach Sex ist, unverstanden und ‘mal wieder unter Druck’ gesetzt.
Manche Paare erleben es auch, dass in der einen Lebensphase der eine Partner mehr Lust auf Sex hat und in einer anderen Lebensphase der andere Partner. Oder es gibt Phasen, in denen das Verlangen ähnlich hoch oder niedrig ist.
Lernschritte die dein Verlangen fördern
Die Ursachen sexueller Unlust sind vielfältig und genauso die Liste der Aspekte, die sich förderlich auf deine Lust auswirken. Im folgenden möchten wir aus der Sicht von Sexocorporel und der sexologischen Körperarbeit auf einige Lernschritte eingehen, die dein Verlangen fördern und wieder hervorlocken können.
Deine Sexuelle Selbstsicherheit stärken
Sexuelle Selbstsicherheit bedeutet, es sich zu erlauben, ein sexuelles, sinnlich-erotisches Wesen zu sein und sich als solches zu zeigen.
Viele Paare funktionieren mit- und nebeneinander, sind ein tolles Team, aber eines wird ausgelassen: Das sexuelle Wesen in sich selbst und in seinem Gegenüber. Und das lässt die Attraktivität und die Lust aufeinander oft rapide schwinden. Um die gegenseitige Attraktivität und Lust wieder zu steigern, braucht es Zeit füreinander, ungestärte Zeit ohne Kinder, Alltagsthemen und Fernseher.
Sich die Beschäftigung mit sexuellen Gefühlen überhaupt zu erlauben kann schwierig sein, wenn Sexualität für Menschen tabuisiert oder negativ besetzt und von Scham und Unsicherheiten überlagert ist. Das macht es herausfordernd, Verlangen zu verspüren, denn das würde einen mit den dahinterliegenden schmerzhaften Themen konfrontieren. Also blendet der Körper das Begehren aus und in der Folge fühlt der Mensch es nicht mehr.
Besonders für Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl ist die Sexualität mit dem Partner/ der Partnerin eine Quelle der Selbstbestätigung. Wenn es eine Verunsicherung in der eigenen Männlichkeit oder Weiblichkeit gibt, ist das Begehrtwerden durch andere oder das Sich-Selbst-beweisen in der Sexualität wichtig, um den eigenen Wert zu fühlen und sich als Mann oder Frau bestätigt zu fühlen. Das kann für den Partner oder die Partnerin nervig und anstrengend sein. Sie haben vielleicht keine Lust mehr, diese dauerhafte Bestätigung zu geben und ziehen sich aus der Sexualität zurück. Eigentlich wünschen sie sich dabei ein Gegenüber, welches sich aus sich heraus attraktiv und erotisch fühlt und sie um ihrer selbst willen begehrt und nicht, weil sie die Selbstbestätigung brauchen.
Sexuelle Selbstsicherheit
Ich fühle mich attraktiv und sexy.
Ich zeige mich mit meinem Körper, meinem Verlangen und meiner Lust.
Ich erlaube mir, lustvoll, wild, laut und ungezügelt zu sein.
Dich Im eigenen Genital zu Hause fühlen
Eine gute Voraussetzung für erfüllenden Sex ist, dass du dich wohl in deinem eigenen Körper fühlst und ihn gut kennst. Und das trifft natürlich ganz besonders auf das eigene Genital zu. Wie gut kennst du dein Genital? Wie vertraut und verbunden fühlst du dich mit ihm? Berührst du es gerne? Bist du als Frau auch vertraut mit deinem vaginalen Innenraum?
In meinen Beratungen erlebe ich es besonders bei Frauen häufig, dass sie zwar Trägerin einer Vulva/Vagina sind, aber nicht stolze Besitzerin. Viele berühren sich wenig selbst und das betrifft besonders den vaginalen Innenraum. Daher ist es in der Sexualberatung oft eines der ersten Themen auf dem Veränderungsweg, den eigenen Körper lieben zu lernen und vertraut zu werden mit dem eigenen Genital, es im Spiegel zu betrachten, im Alltag wahrzunehmen und selbst zu berühren.
Frauen, die stolz sind auf ihr Genital und seine Fuktionsweisen gut kennen, erleben auch die Vereinigung mit dem Partner oder das Liebesspiel mit der Partnerin lustvoller und damit auch erfüllender. Sie erleben ihr Genital als Lustquelle. Sex, der als erfüllend und lustvoll erlebt wird, macht natürlich auch eher Lust auf mehr Sex. Es geht darum, den eigenen Körper und das eigene Genital zu erotisieren. Für koital sexuelles Begehren braucht es die Erotisierung der eigenen
Erektion oder des eigenen vaginalen
Innenraums.
Deine Erregungsfähigkeit erweitern
Wenn du unter Libidoverlust leidest, dir mehr Sex wünschst oder dich gerne selbst häufiger selbstbefriedigen würdest, aber nicht erregt bist, kann das ein Grund sein, um etwas zu verändern. Es kann lohnenswert sein, sich den eigenen Erregungsmodus genauer anzuschauen, also die Art und Weise wie du selbst gelernt hast, dich zu berühren und deine Erregung bis zum Höhepunkt zu steigern. Die meisten Menschen eignen sich schon in der Kindheitn oder Pubertät einen Erregungsmodus an, den sie dann später im Erwachsenenleben nicht oder nur wenig verändern. Nicht immer passt diese Art uns selbst in der Selbstbefriedigung zu erregen zur Sexualität, die wir mit dem Partner oder der Partnerin leben. Es gibt nicht wenige Menschen, die in der Selbstbefriedigung Orgasmen erleben, in der Paarsexualität jedoch nicht. Da ist es hilfreich, den eigenen Erregungsmodus zu erweitern und zu verändern, sodass er besser zu der gelebten Paarsexualität passt.
Verlangen wird durch sexuelle Erregungsquellen und sexuelle Anziehungscodes ausgelöst. Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, was dich sexuell erregt? Ist es etwas, was du siehst, hörst, riechst, schmeckst oder fühlst? Ist dein Partner/ deine Partnerin in der Lage, Erregung bei dir auszulösen? Sind deine sexuellen Anziehungscodes breit genug, damit dein Partner/ deine Partnerin
darin enthalten ist? Sexuelle Anziehungscodes sind zum Bespiel, ein bestimmter Körperbau, eine Haarfarbe, eine Vorliebe für bestimmte Kleidung (Lack/Leder), ein bestimmter Geruch, Gegenstände …
Wenn ein Mensch wenig beim Sex empfindet, ist es verständlich, dass da wenig Lust auf Wiederholung ist. Besonders vielen Frauen geht es so mit ihrem vaginalen Innenraum. In der Selbstbefriedigung berühren sie sich nur außen, der Innenraum ist wenig erforscht und sensibilisiert. Beim Geschlechtsverkehr spüren sie dann wenig und machen nicht selten “dem Mann zuliebe” mit oder um sich Selbstbestätigung zu holen.
Durch regelmäßige Berührungen können Körperregionen sensibilisiert und die Nervenbahnen zwischen Genital und Gehirn ausgebaut werden und dass führt dazu dass Berührungen mehr Erregung, Lust und Freude erzeugen. Die Lust auf Sex hängt also auch davon ab, wie lustvoll wir Frauen unseren Innenraum erleben und wie sehr wir Sex genießen können. Je mehr uns die Sache Spaß macht, desto eher
wird sie zur Priorität und Ressource. Je mehr Anstrengung damit verbunden ist, desto mühevoller erleben wir den Sex, und desto eher wird er „noch eine weitere Last“. Es lont sich also zu erforschen wie wir in der Sexualität noch mehr spüren und genießen können.
Mein Gegenüber erotisieren
Sexuelles Verlangen entsteht nicht nur in uns selbst – es entsteht auch im Blick auf die andere Person. Gerade in langjährigen Beziehungen verlieren wir manchmal den erotischen Blick füreinander. Wir sehen den Partner oder die Partnerin im Alltag, als Mutter oder Vater der Kinder, als Organisationstalent, als zuverlässige Unterstützung. Doch sehen wir ihn oder sie noch als erotisches Gegenüber?
Erotisierung bedeutet, den anderen wieder bewusst als sexuelles Wesen wahrzunehmen. Nicht selbstverständlich. Nicht funktional. Sondern begehrenswert. Das beginnt im eigenen Inneren. Bin ich bereit, meinen Partner oder meine Partnerin wieder mit einem erotischen Blick zu betrachten? Bin ich bereit, mich berühren zu lassen – nicht nur körperlich, sondern auch in meiner Fantasie?
Verführung ist kein Spiel aus Manipulation, sondern ein Ausdruck von Lebendigkeit. Ein bewusstes Annähern. Ein Flirt im Alltag. Ein Blick, der länger bleibt. Eine Berührung, die nicht nur praktisch gemeint ist. Wenn wir beginnen, wieder Anziehung zu entwickeln – aktiv, innerlich, entschieden – dann nähren wir die fördernden Faktoren unseres Begehrens. Erotik entsteht dort, wo wir aufhören, den anderen nur zu kennen, und wieder beginnen, ihn oder sie zu entdecken.
Erotische Kommunikation: Wünsche und Grenzen
Oft sitzen Menschen bei mir in der Praxis, die mir von ihrer Lustlosigkeit erzählen. Ich frage dann genau nach, wie denn der Sex abläuft, wenn sie Sex haben. Das schildern sie mir dann und ich entgegne dann manchmal etwas konfrontierend: Ja darauf hätte ich auch keine Lust. Es steht also auch immer die Frage dahinter: Zu welchem Sex sagst du Nein? Oder: Zu welchem Sex gibt es ein Ja in dir? Lebst du die Sexualität, die du möchtest? Kennt dein Partner oder deine Partnerin deine sexuellen Wünsche, Fantasien, Bedürfnisse?
Ulrich Clement spricht davon dass sich Paare oft in “der Komfortzone des kleinsten gemeinsamen erotischen Nenners” einrichten. Dort geht es um Gleichheit. In der Sexualität werden Handlungen umgesetzt, die beiden gefallen. Sexuelle Unterschiede werden als Bedrohung angesehen. Ich kann meinem Partner doch nicht erzählen, dass mich Schläge auf den Po erotisch antörnen. Oder: Meine Frau darf nichts davon wissen, dass ich gerne mal anal penetriert werden möchte. In der sexuellen Komfortzone, in der immer das Gleiche passiert, entstehen mit der Zeit Langeweile und Lustlosigkeit. Das Paar verzichtet auf die Chance einer gemeinsamen Weiterentwicklung. Zeigt einer von beiden den Mut, sich zu den eigenen erotischen Wünschen zu bekennen, sich zu öffnen, sich vielleicht auch zu entblößen und verletzlich zu machen, dann eröffnet sich die Chance über die Unterschiede zu reden und vielleicht auch gemeinsam Neuland zu betreten.
Genauso wichtig wie die eigenen Wünsche und Bedürfnisse sind die eigenen Grenzen. Wenn ich in meiner Sexualität immer wieder über meine Grenzen gehe, Dinge dem anderen zuliebe mitmache, die ich eigentlich nicht möchte, dann verwundert es nicht, wenn die eigene Lust auf der Strecke bleibt. Kennt dein Partner oder deine Partnerin deine Grenzen? Da geht es nun darum, die eigenen Grenen klar zu benennen und gegebenfalls Nein zu sagen, auch auf die Gefahr hin, dass dies den anderen kränken könnte.
Mit dem was Paare einander mitteilen und auch mit dem, was sie einander nicht mitteilen, treffen sie eine Entscheidung. Diese Entscheidung beeinflusst das Bild, das mein Partner von mir und meiner Sexualität hat. Und manchmal ist dieses Bild eben verzerrt oder realitätsfern. Schritte in die Veränderung gelingen, wenn wir eine Basis für offene Kommunikation schaffen.
Deine Autozentrierung stärken
Vielen Menschen vergeht die Lust an der Sexualität, weil sie ihre Sexualität so leben, wie ihr Partner das möchte und nicht so, wie sie das selbst möchten. Ulrich Clement spricht hier von einer partnerbestimmten Sexualität oder einer selbstbestimmten Sexualität. Im Sexocorporel werden dafür die Begriffe Heterozentrierung und Autozentrierung verwendet.
In der partnerbestimmten Sexualität (Heterozentrierung) ist mein Fokus beim anderen, ich versuche es ihm recht zu machen und erfülle seine Wünsche. Gefällt ihm das, was ich tue? Mache ich es richtig? Was wünscht er sich wohl? Dabei vergesse ich mich selbst und meine eigenen Bedürfnisse. Ich benötige die Reaktionen des Anderen als Bestätigung, um mich in Sicherheit, geliebt und sexuell attraktiv zu fühlen und um meine Gefühle zu regulieren.
In der selbstbestimmten Sexualität (Autozentrierung) stelle ich meine Wünsche und Bedürfnisse in den Vordergrund. Ich teile mich dem anderen mit, auch auf die Gefahr hin, mit meinen Wünschen abgelehnt, lächerlich gemacht oder abgewertet zu werden. als autozentrierter Mensch habe ich die Fähigkeit, mich selbst emotional zu regulieren, sowie genügend Selbstsicherheit und Selbstwahrnehmung, um andere Menschen in ihrer Realität wahrzunehmen und angemessen zu reagieren.
Selbstbestimmt heißt nicht egoistisch. Ich sehe meinen Partner mit seinen Wünschen und Bedürfnissen, stelle meine jedoch in den Vordergrund. Ein egozentrierter Mensch (Egozentrierung) ist nur an sich selbst interessiert ist und andere Menschen sind einzig relevant für die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse.
Um deine Autozentrierung zu stärken, verlege deinen Fokus in der Sexualität weg vom anderen hin zu dir selbst. Worauf hast du Lust? Was erregt dich? Wie möchtest du berührt werden? Wie fühlst du dich während der Sexualität? Berühre den andern mal so, wie du Lust hst und nicht so, wie du denkst, dass er berührt werden möchte.
Sexuelles Verlangen ist eine Entscheidung
Viele Paare leben Sex nach dem Spontanitätsprinzip. Sie denken die Lust auf Sex müsse spontan entstehen. Für sie ist es nicht denkbar Sex zu planen. Dabei planen sie ihr gesamtes Leben in einer engen Taktung, die Terminkalender sind voll. Wo soll da spontan ein günstiges Zeitfenster für Sex entstehen?
Es gibt Menschen bei denen, auch noch nach der Verliebtheitsphase, die Lust auf Sex spontan entsteht (spontanes Verlangen). Diese Menschen sind jedoch in der Minderheit. Bei den meisten Menschen entsteht Lust nicht spontan und in einem vollen und stressigen Leben schon gar nicht.
Die meisten Menschen erleben responsives Verlangen. Bei ihnen entstehen Lust und Verlangen erst dadurch, dass sie etwas erregendes erleben, also wenn ihre Erregungsquellen angesprochen werden. Für diese Menschen ist für die Entstehung von Verlangen auch der Kontext und die Beziehung von Bedeutung. Sie brauchen Zeit, Einstimmung, das Gefühl der Verbundenheit durch persönlichen Austausch, die Gewissheit, unterstützt zu werden, eine stimmige Atmosphäre, körperliches Spüren, also einen guten Boden, damit Lust aufkommen und wachsen kann.
Wenn also kein spontanes Verlangen da ist, braucht es Iniative, also eine Entscheidung, um responsives Verlangen auszulösen.
Erotik braucht Entscheidungen. Gerade in langjährigen Beziehungen ergeben sich erotische Momente kaum spontan. Vielmehr entscheiden sich die Partner, wie aktiv sie ihre Erotik gestalten wollen.
Ulrich Clement
Eine Möglichkeit ist es sich zum Sex oder zum “Liebe machen” zu verabreden. Ein ungestörter Raum und Zeit als Paar, von beiden gestaltet, frei von Erwartungen und Leistungsdruck. Ihr als Paar entscheidet, was in dieser gemeinsamen Zeit geschieht: Gespräche, Kuscheln, Massagen, Sexualität…
Deine erotischen Fähigkeiten stärken
Erotische Fähigkeiten ermöglichen es, sich selbst und die andere Person sinnlich zu
genießen und von der anderen Person genossen zu werden. ‘Zu den erotischen Fähigkeiten zählt es, unterschiedliche sexuelle Praktiken anwenden zu können. Das beginnt mit der Kenntnis über unterschiedliche Berührungsqualitäten am ganzen Körper, von erdig und kräftig, über streichend und fließend, luftig und zart bis hin zu feurig und vitalisierend.
Es zählt auch zu den erotischen Fähigkeiten, dass ich meine eigene emotionale Beteiligung und meine eigene genitale Erregung in der Sexualität durch körperliche Mittel (Bewegung, Atmung, Modulation der Körperspannung und des Bewegungsrhythmus) modulieren kann. So komme ich in der Sexualität mehr in die Selbstverantwortung und Autozentrierung.
Sicher sind auch Kenntnisse in tantrischer Berührungskunst von Vorteil. Aber auch den anderen intim vielfältig berühren, stimulieren und erregen zu können, also Kenntnisse über vielfältige Intimberührung (Yonimassage, Lingammassage) oder über Cunnilingus und Felatio.
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Unterstützung durch Sexualberatung
Wenn ihr beide an einem Punkt angekommen seid, andem ihr ernsthaft eure Sexualität verändern möchtet, herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung. Doch wie jede andere Entwicklung oder Veränderung ist auch die Veränderung eurer Sexualität mit Anstrengung und Mühen verbunden. Es gibt innere Anteile in euch, denen die Veränderung Angst macht und diese werden alles dafür tun, dass alles so bleibt wie es ist. Ihr seid schließlich an diesem Punkt eurer Sexualität nicht ohne Grund gelandet.
Auf dem Weg der Veränderung tut daher oft Unterstützung gut. In der Sexualberatungt habt ihr ine neutrale außenstehende Person, die gemeinsam mit euch eure sexuelle Geschichte anschaut, mit euch die bestehenden Dynamiken herausarbeitet und euch bei Veränderungsschritten und auftretenden Widerständen begleitet. Wenn ihr offen seid für Berührung habt ihr in der sexologischen Körperarbeit zusätzlich die Möglichkeit durch Körperübungen und Massagen neue körperliche Erfahrungen zu machen.
Der erste Schritt wäre es, ein unverbindliches kostenloses Kennenlerngespräch mit uns zu vereinbaren.
Unser Basisseminar zur Sexualität
Vielleicht hast du auch mehr Lust auf ein gemeinsames Lernen in der Gruppe, auf hilfreiche Inputs, Austausch, Körperübungen und Massagen in einem Feld mit anderen Menschen. Dann freuen wir uns dich beim Basisseminar zur Sexualität begrüßen zu dürfen.